Sonntag, 27. März 2011

1. Quartal 2011

27.2.2011 heute geht es um Regionalkrimis. Letztens war ich in einer Lesung der Regionalkrimischriftstellerin: Angelika Hüting. Sie schrieb bisher zwei Regionalkrimis "Tödliche Heimkehr", oberbayrischer Krimi aus Altötting, und "Fischblut", niederbayrischer Regionalkrimi aus Passau. Aus Altötting ist auch der Krimi "Altötting" von Swobodski. Auf Regionalkrimis glauben die Deutschen herumtrampeln zu können und so sind auch einige Rezensionen zu Angelika Hüting geraten. Aber was reizt mich? Mir gefallen z.B. die Schweizer Krimis von Glauser, Frisch und Dürrenmatt sehr gut, die sich offensichtlich weniger um die Unterscheidung zur Hochliteratur kümmern. Glausers Inspektor ist mir äußerst sympathisch. Ich liebe aber auch Hüttners bayrische Krimis. Ich finde er recherchiert sehr genau historische und gesellschaftliche Umstände wie das Attentat auf den ersten bayrischen Ministerpräsidenten, Eisner, die als Gefängnis dienende Schule in Haidhausen und die Wohnverhältnisse in der Au und in Giesing. Mit Hinterberger, dem österreichischen Krimiautor sehen wir tiefer in das Milieu der sozialen Wohnungsbauten, wir lernen Diakektausdrücke wie "Äusserln, Burenhäutel und Unterstandslose" Auch bei Frau Hüting finde ich genaue Örtlichkeiten in Altötting, Burg und Neuötting. Ich finde meinen Lieblingsblick auf die Neuöttinger Kirche und meinen Lieblingswallfahrtsladen mit angehängtem "Dunstladl". Als ehemaliger Provinzler finde ich es auch gut, wenn sich die Protagonistin Gedanken darüber macht, ob sie von München nach Altötting ziehen soll. In der Mitte des Buches geht es vielleicht zu langsam voran, dafür ist der Anfang und der Schluß ganz schön dynamisch. Fischblut las ich mehr als gelegentlicher Besucher von Passau, aber Passau war durchaus zu erkennen, notwendig und als Lebensort für den Verlauf des Krimis typisch. Weil ich das Video der mediziischen Versorgung der Münchner Benediktiner gesehen habe, erschien es mir treffend, dass die Hüting'sche Ärztin den Obdachlosen bereits an den bloßen Zehen erkannte. Also ich hab die beiden Bücher mit Spaß gelesen.

Samstag, 17. Juli 2010

Quartal32010

170710
Roald Dahl "The way up to heaven" and other stories.
Roald Dahl lese ich und bin hinterher immer ganz benommen. Ich weiß eigentlich nichts, so dass ich mir diesmal vornehme, die Geschichte festzuhalten, damit ich weiss, was er diesmal für einen verdrackten Einfall hatte:
Miss Bixby an the colonel 's Coat:
Miss Bixby bekommt von ihrem geliebten Colonel als Abschiedsgeschenk einen Nerz, doch wie dem Ehemann erklären, wie sie zu einem Nerz kommt? Sie verfällt auf einen Trick ähnlich dem der Geldwäsche. Sie gibt dem Ehemann ein Ticket, das sie von einem Pfandleiher für den Einsatz des Nerzes bekommen hat. Sie erklärt, das Ticket im Taxi gefunden zu haben. Sie wolle das Ticket am Montag einlösen. Der Ehemann wird neugierig und will das Ticket auf dem Weg zur Arbeit einlösen. Sie ist gespannt, ob das funktioniert. und fährt in die Praxis ihres Ehemannes. Der gibt ihr einen Schal aus Nerz, der nur ein Bruchteil des Mantels wert ist. Sie ist geprellt, denn den Mantel hat er seiner Geliebten geschenkt.

17.09.10
Ich bringe heute ein Jugendbuch, Walter Kempowskis "Alle unter einem Hut" von 1976. Ich höre einige schon grumeln: "Das ist doch was für den Kindergarten." Nein, ist es nicht. Ich lese die 170 lustigen und witzigen Alltagsgeschichten gern, weil ich schlecht sehe, und da tu ich mich mit kurzen Geschichten mit den häufig eine ganze Seite großen Illustrationen einfach leichter. Die Geschichten haben meistens 4 Zeilen, eine hat nur 2 Zeilen:
Heute ist ein Nebel! Renate hat
die Schule beinahe nicht gefunden.
Viele haben nicht viel Zeit, aber so eine vierzeilige Geschichte, dafür reicht die Zeit leicht. Die Kurzgeschichten wurden in den USA erfunden. Sie braucht nicht viel Zeit, sowenig, dass sie in einem Rutsch gelesen werden kann. Weil es schnell gehen muß, kann sich der Autor, der meist Journalsit war und sie in seiner Zeitung/Magazin veröffentlichte, keine komplizierten Kunstgriffe leisten. In der europäischen Literatur war die Kurzgeschichte gerne eine Anekdote, die aber seit gut 100 Jahren aus der schönen Literatur mehr oder weniger verbannt ist. Online-Rundfunk pflegt das kurze Podcast, fast nur noch ein kurzer Witz oder ähnliches, ein Video darf auch nur noch 3 Minuten dauern. In USA , hört man, werden die meisten Videos in der Mittagspause am Arbeitsplatz aufgerufen. Kurz ist, wie gesagt, das Gebot der Stunde. Der Autor muß lernen die Geschichte in vier Zeilen zu schreiben. Er kann sich ja mal Kempowskis Jugendbuch ansehen.

Dienstag, 22. Juni 2010

2/2010 Blautopf und schöne Lau von Mörike

Ein Tagesausflug nach Ulm und nach Blaubeuren mit dem Seniorentreff steht an. Ich erinnere mich, über den Blautopf bei Mörike gelesen zu haben. Ich gehe in den Keller und finde ( ein Beweis für meine Ordnung) mit einem Handgriff ein Buch von Mörike und ich lese nach, was Mörike über Blaubeuren geschrieben hat. Ich hatte gedacht, der Blautopf, die Quelle des Flüsschens Blau läge in einem Keller. Ich hatte mich falsch erinnert, Mörike beschreibt völlig richtig, dass die Blau aus einem Teich, dem Blautopf, fließt. In dem nebenliegenden Kloster gibt es allerdings eine Brunnenkapelle, die vom Blautopf gespeist wird, aber keinen Hinweis darauf, dass dies der Brunnen wäre, in dem die schöne Lau auftauchte, um sich unter die Menschen zu mischen.
Trotzdem, es hat sich der Nutzen der Büchersammlung gezeigt, ein Griff, und du kannst sofort nachlesen, was Mörike über das Reiseziel geschrieben hat.

Sonntag, 23. Mai 2010

Nordamerikanischer Roman

Die Amerikaner folgten, bevor sie mit der Kurzgeschichte ihre ureigene Literatur schrieben, im 19. Jahrhundert den Literaturströmungen der Europäer. Realismus, dann Naturalismus hießen Ende des 19. Jahrhunderts die Vorbilder. Stefan Crane, der nur 29 Jahre alt wurde, schrieb in seiner kurzen Zeit 2 Romane, einen davon las ich jetzt. Das kleine, dünne Heftchen, das ein Kind beim Auszug zurückgelassen hatte, handelt von "Maggie. dem (Das) Mädchen von der Straße." Nana von Victor Huego gab das Vorbild ab. Der Verlag erleichterte mir das Lesen der Schilderung des New Yorker Mädchens Maggie, indem er pro Seite ein Vokabular der Slangausdrücke lieferte.

Samstag, 17. April 2010

Audiomix

Diesmal macht kein papiernes Buch Spaß, sondern Hörbücher auf einem MP 3 Player. Spaß macht eigentlich das unerwartete, die glückliche Mischung macht's aus. Die Kinder haben vertonte Gedichte, eine Lesung von Axel Hacke mit "Verhörern", einen Briefwechsel zwischen Schilling und Goethe und Ringelnatzgedichte auf die Flashcard eines MP 3 Players gespielt. Das Programm auf dem MP3 Player spielt jetzt nicht ein Hörbuch nach dem andern ab, sondern spielt die Dateien alphabethisch sortiert ab. Die Folge ist: Zuerst kommt ein Rilke Gedicht z.B. von Nina Hagen gesun-gen "Mondene Welt", Dann ein Verleser des Gedichtes von Rilke mit dem weißen Neger Wumbaba, dann einige Briefe zwischen Goethe und Schiller über die Verfertigung von großen Dichtungen wie Wallenstein und schließlich ein deftiges Ringelnatzgedicht über Turnvater Jahn. Die Mischung ist zwar jedesmal gleich, aber man kann dieses Mischmasch viele Male anhören und ist immer wieder überrascht über den Zusammenstand.

Samstag, 27. Februar 2010

Der Schrebergarten von Kaminer

ich finde das Buch am Anfang sehr witzig und kralle mich fest. Mit Schrebergärten habe ich so Erfahrungen. Ich wollte mir einmal mit dem Fahrrad das Recht erkämpfen, das mir als Bayer die baýr, Verfassung zugesteht, nämlich den freien Zugang zu den Gewässern. Ich wählte dazu den Weg aus, der hinter Schrebergärten entlang dem Mühlbach im Münchner Norden führt.Die Schrebergärtner hemmten mich nur zeitweilig, weil sie den Zuschnitt ihrer Sträucher auf den Weg geworfen hatten, ein hoher Zaun um eine weiße Villa war da schon ein größeres Hindernis. Es war tatsächlich so, wie Kaminer schreibt, "die Schrebergärten schienen verlassen". Kaminer schreibt allerdings weiter: "Wer näher kommt, sieht die Hinterteile der Besitzer über den Beeten schweben." Ich sah wieder mal nichts. Das letzte Drittel des 225 Seiten dicken Buches ging allerdings sehr mühsam, die Witze haben sich allmählich in Moskau, im Kaukassus, wo seine Frau herstammt, und in Vereinsversammlungen abgenutzt.

Samstag, 6. Februar 2010

Der ganze Erhardt

Es heißt immer, Deutsche können nicht komisch sein. Ich teile diese Ansicht nicht. Ich denke da an Erhardt, er war urkomisch und spielte eigentlich immer nur den Deutschen. Es gibt zur Zeit eine Art Erhardt Renaissance, den man viele Jahre gar nicht nennen durfte.

Ich las eine Biografie "Heinz Erhardt", erschienen im Lappanverlag 2009.
Am Schluß wusste ich immer noch nicht, warum Erhardt so lustig war, mir fehlte eine Analyse. Ich las im Vorwort nach, vielleicht hatte ich was übersehen. Hier versprachen die Autoren Berg und Klugmann:

"Leben und Werk des Humoristen ..sind.... erstmalig umfassend dargestellt."

Neben mir liegt das Goldmann-Taschenbuch "Das große Heinz Erhardt-Buch" mit mehr als 300 Seiten und mehr als 100 Gedichten. Die Biografie enthält gerade mal knapp 20 Gedichte , 3 Interviews und viele, viele Zitate von Zeitgenossen, von ihm selbst und seiner Familie. Selbst Interviews finde ich im Goldmann Taschenbuch, die hat aber Heinz Erhardt erfunden, während die drei in der Biografie die spontanen Einfälle, die Heinz beherrschte wie kein Zweiter, aufzeigen. Also doch etwas zugunsten der Biografie. Die Zitate aus seiner Autobiografie sind da etwas vorsichtiger formuliert, ich habe immer noch ein Defizit.

Also schaue ich mir in Youtube Heinz Ehhardt an. Es fällt auf , dass sich Gags wiederholen z.B. das Publikum klatscht, er winkt ab, er sei noch nicht am Ende. Dann folgt irgendetwas Belangloses. Ich höre, dass der Erhardt Imitator Hamer immer von der Oma aus "dem großen Heinz Erhardt Buch " vorgelesen bekam und er mal was Unterhaltliches auf die Bühne bringen wollte.

Dienstag, 5. Januar 2010

Mein Lieblingsbuch

Wenn ich den Artikel "Mein Lieblingsbuch" in der SZ lese, dann bin ich meist etwas deprimiert, weil die Autoren so tolle Lesekarrieren hinter sich haben. Diesmal ist zwar im Elternhaus ein toller Bücherschrank, die Eltern lesen, der Bub wird angehalten zu lesen, aber der Bub liest das, was ich auch gelesen habe, Karl May, Das neue Universum. Er liest und sammelt die Sanella-Sammelalben und findet die Erzählungen der einzelnen Länder heute noch spannend. Mich haben diese Geschichten angeödet, ich konnte sie nicht ausstehen, aber das Sanellaalbum Mittel- und Südamerika war mein erstes eigenes Buch, obwohl wir zu Hause keine Sanella kauften. Ich brachte mit vielen, fast illegalen Tricks und Tauschgeschäften alle Bilder bis auf vier zusammen. Die letzten Vier beschaffte mir vor einiger Zeit ein Antiquar, so dass ich jetzt in hohem Alter ein vollständiges Sammelalbum besitze. Ich besitze noch den Karl May Nummer Eins "Durch die Wüste", den ich mal zu Weihnachten bekam. Ich dachte, ihm würden weitere Karl Mays folgen, kam aber keiner. Ich leihte mir diese bei der Pfarrbücherei Sankt Michael aus. Meine jüngere Schwester hatte zum Schluß mehr Karl May gelesen als ich.
Dann las ich noch viel Schund. Ich durfte zwar keine Hefte kaufen oder im Haus aufbewahren, aber ich las die ausgeliehenen Hefte dann in der Holzlege.

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Seewolf von Jack London

Im ZDF sahen wir die x.te Verfilmung von Seewolf. Ich wollte den Seewolf lesen, d.h. ich wollte ihn in einer deutschen und in einer englischen Ausgabe gleichzeitig lesen. Ich dachte, ich müsste irgendwelche englischen Ausgaben in meiner Sammlung haben, weil Jack Londoon gerne an den Schulen gelesen wurde und eine deutsche Ausgabe, weil ich mich schwach erinnerte, dass ich eine solche in einer der zwei Kisten gefunden hatte. Zudem hatte ich m.E. einen Lesepfad Wölfe eingerichtet, zu dem ich Bücher sammle, wo im Buch der Wolf eine entscheidende Bedeutung hat und zwar deshalb, weil immer argumentiert wird, der Wolf gehöre wieder in der BRD eingebürgert. Ich dachte an die Romane wie Gösta Berling von Selma Lagerlöf, Werwolf von Hermann Löns, "Der mit dem Wolf tanzt" von Michael Blake.
Ich fand weder eine englische, noch eine deutsche. Die englische, ein preiswertes Taschenbuch, das in Neuseeland herausgegeben wird, beschaffte mir schließlich meine Tochter, die 1 Jahr in USA war. Nachdem ich die genannten Bücher im Keller in der alphabetischen Aufstellung fand, dachte ich darüber nach, ob ich anderswo einen Jack London finde. Schließlich fiel mir ein, das ich Jack London ggf. als Jugendbuch-schriftsteller eingeschätzt und das Buch unter Liesls Bücher eingereiht hatte. Ich ging in den Keller und hatte diesmal das Buch in wenigen Sekunden gefunden. Es stand unter den Jugendbüchern unter L.

Donnerstag, 5. November 2009

Henriette Vogel

Karin Reschke schreibt ein fiktives Findebuch = Tagebuch der Henriette Vogel. Henriette ist die unheilbar kranke Frau, die Kleist bewog, mit ihm in den Tod zu gehen. Das geschieht dadurch, dass Kleist am Ufer des Wannsees Henriette tot schießt und dann sich selbst. In meiner Literaturgeschichte wird das so beshrieben:
"Kleist ging mit der unheilbar kranken Frau Henriette Vogel gemeinsam in den Tod."
Genau genommen war Kleist der Täter, der anschließend Selbstmord beging. Kleist hatte schon mehrere Personen für diesen Weg gewinnen wollen, aber diese haben immer abgelehnt, anders Henriette: Das Findebuch läßt folgende Beweggründe vermuten:
  • Henriette war unheilbar krank.
  • Sie und ihr Ehemann Vogel hatten sich auseinandergelebt.
  • Henriette hatte emanzipatorisches Gedankengut aufgenommen u.a. auch den von der freien Liebe.
  • Henriette hatte sich in Kleist verliebt.

Ich musste lange lesen, bis endlich Kleist im Tagebuch auftauchte. Im fiktiven Findebuch setzt sich Henriette nicht damit auseinander, dass Kleist ihr das Angebot unterbreitete und sie dem aus welchen Gründen folgte, aber aie schreibt genaueres zu den oben angeführten Gründen:

  • Die Krankheit(ein Unterleibskrebs) und ihre Folgen sind ausführlich beschrieben.
  • Sie ist außer sich, als ihr Ehemann sie in einer Weinlaune Kleist "schenkt".
  • Sie schildert , wie sie sich eines Nachts in ein Haus begibt, in dem Freier offensichtlich auf Frauen warten.
  • Sie schreibt einen Liebesbrief, in dem sie Kleist mit großen Liebesworten anspricht.

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Italo Calvini, Marcovaldo

Italo Carvino erzählt die Geschichten eines naturliebenden Hilfsarbeiters in der Großstadt. Er liebt klares Wasser, er will in Ruhe schlafen, er sorgt sich für Pflanzen und Tiere, er geht im Nebel nach Hause.
Mir fällt an seinen Geschichten auf, dass wir oft ähnliche Geschichten erleben. Sie unterscheiden sich, klar, wir sitzen am Stadtrand in einer Kleinstadt, die Isarau mit ihren Auwäldern und Aubächen liegt direkt vor unserer Nase, Baggerseen mit ihrem klaren Wasser sehen uns dauernd beim Schwimmen.
Unsere Geschichten enden auch alle gut, auf dem Nachhauseweg verirre ich mich mit dem Fahrrad direkt neben dem Weg und wäre im Schnee bald eingeschlafen vor Erschöpfung, Marcocaldo kommt im Nebel am Flughafen an und fliegt nach Indien.

Donnerstag, 3. September 2009

Karikaturenbuch Sokol

Die Karikaturen des Österreichers Deix finden nicht bloß Bewunderer, manchem graust, wenn er sich die Bilder anschaut. In der Stadt Krems gibt es ein eigenes Deix-Museum, wo solche Bilder zu finden sind.
Umso erstaunlicher ist es , wenn Deix sich auf folgende Vorbilder beruft:
Wilhelm Busch, Crumb und Sokol.
Ich kaufe mir ein Buch von Sokol, der von Deix als sein wichtigstes Vorbild bezeichnet wird. Kein einziges grausliches Bild, den Deckel des Buches ziert ein Portrait vom Monaco Franze. Eine richtige Gesichtslandschaft mit Hügeln, funkelnden Augen, und einem großen sinnlichen Mund.
Das ist kein Politiker und Bundestagsabgeordneter, die das Repertoire des Altmeisters Daumier gebildet haben, sondern das Bild eines zumindest in Bayern berühmten und ehmals beliebten Filmschauspielers. Fischer ist nicht häßlich, sondern markant und bezeichnend gemalt. Und daraus macht Erwin Deix so häßliche Gestalten?

Samstag, 1. August 2009

Für Bücherfreunde

Sempé hat für Bücherfreunde ein eigenes Büchlein diesen Namens zusammengestellt. Es handelt mehr von den Problemen derer, die schreiben als über den Inhalt von Büchern:
  • Die Ehefrau schreibt.
  • Einer schreibt ein Tagebuch.
  • Ein Verleger verhandelt mit einem Autor.
  • Beweggründe, zu schreiben.
  • der Autor in einer Gesllschaft

Natürlich sind Sempes Zeichnungen genial, sie rufen immer wieder Lächeln hervor.

Sonntag, 5. Juli 2009

Bist Du's Aeneas

In der Stadtbücherei ist derzeit eine reizende Ausstellung von Reprints. Vom Aussteller erfahren wir, dass es die unterschiedlichsten Verfahren gibt, um Reprints unters Volk zu bringen. Es gibt Billigreihen für Leser, die nur auf den Text aus sind, aber weil die Bücher vergriffen waren, sich teure Originalausgaben kaufen mussten. Diese Reihen sind häufig verkleinert und als Taschenbuchausgabe gedruckt. Es gibt aber auch teure Facsimileausgaben z.B. von der Gutenberg Bibel. Das riesige Buch kommt im Ledereinband. Es wird im 10 Farben-Druck hergestellt. Besonders teuer wird es , wenn mit Hand auch noch Blattgold aufgelegt wird.
Ich hab ein Reprint in der Kiste gefunden. Es ist doppelt anders. Es ist ein Reprint aus den Jahren 1784- 1788. Es enthält von 9 Büchern der Originalausgabe nur die 4 Bücher, die in der Schule gelesen werden. Es ist keine Originalausgabe der Aeneis von Virgil, sondern eine lustige Travestie. Dieszeigt besonders deutlich eine Szene in der Höhle, in der die beiden Protagonisten unabhängig voneinander vor dem Regen Schutz suchen. Der Autor Blumauer schreibt:

"So mußt' Aeneas unverhofft
In eine Höhle kommen,
Wo eben, bis auf's Hemdchen nass,
Die so verliebte Dido saß,
Ihr Unterröckchen trocknend."
:

Donnerstag, 4. Juni 2009

Worüber die Welt lacht.

In einer Bücherkiste finde ich ein Buch aus den 70er Jahren: "Worüber die Welt lacht" von dem weltbekannten Humoristen, Pierre Daninos.
Jede Kultur lacht anders, lernt man aus diesem Buch. So musss man in Japan seinen Geschäftspartner warnen:
"Achtung, ich erzähle jetzt einen Witz."
Nur dann kann man ihn zum Lachen bringen.
Jede Kultur hat andere Tabuthemen z.B.
Betrogene Ehemänner. Schlüpfrige Witze sind eher in einer Herrenrunde oder an der Bartheke geduldet.
In den letzten 30 Jahren hat sich sicher vieles geändert.
Im Gedächtnis sind noch die Muslimwitze, die in einer dänischen Zeitung veröffentlicht wurden. Sie hat im vorderen Orient manche Muslime so erbost, dass sie Autos umgeschmissen und in Brand gesteckt haben.

Die Herrenwitze sind als unsäglich bekannt, um so schlimmer finde ich es, wenn Feministinnen diese alten Witze erzählen, nur dass die Opfer dieser Witze nicht Frauen, sondern die Herren sind.

Montag, 11. Mai 2009

Chodowieckis Illustrationen der Klasssiker

Chodowieckis Illustrationen der Klassiker fiel mir in die Hände als ich für meinen Lesepfad Robinson recherchierte. Ch. hatte das Titelblatt für die erste Auflage von Campes Robinson der Jüngere 1807 gemacht, stand da. Schließlich fand ich heraus, dass Ch. schon 1801 gestorben war und die erste Auflage von Campes Buch bereits 1770 veröffentlicht wurde. Für alte Sachen ist mein Meyers Konversationslexikon von 1900 eben doch etwas zuverlässiger.
Im Vorwort zu dem Ch. Buch las ich, dass Jean Paul als der siebte Klassiker bezeichnet wird, aber die Namen der ersten sechs suchte ich mir mühsam zusammen, vielleicht sind es neben Goethe und Schiller noch Lessing, Klopstock, Wieland und Herder. Wegen seiner genauen Wiedergabe von Szenen aus dem Alltag zählt man Ch. zu den ersten Karikaturisten Deutschlands.

Dienstag, 7. April 2009

Schlaf schneller Genosse

Zumindest ältere Arbeiter machen sich über manche Anweisung zum schnelleren Arbeiten mit der Bemerkung "Schlaf schneller , Genosse" lustig.
Wollen sie zeigen, wie die Zensur eines totalitären Systems überlistet werden kann, erzählen sie eine Anfrage an Radio Eriwan. Nicht so verbreitet ist, dass das Musikal Annatevka vom Milchmann Teffje inspiriert ist.
Wie der Wodka in Russland regiert, wissen viele aus dem Hörspiel "Die Reise nach Petuschki" nach einem Roman von Wenedikt Jerofejew. Lustig ist Tschechovs Rede "Über die Unschädlichkeit des Tabaks". Valentin hat ähnliche Reden geschrieben z.B. "Der Regen".
Nun brauchen wir nur noch die Kette von Tschechov über Daniel Charms bis zu Jerofejew auffüllen, dann haben wir einen kurzen Aufriss der Literaturgeschichte des russsichen Humors. Zu nennen wären: Gogol, Awertschenko, Teffi, sodann die sowjetrussischen Satiriker Sostschenko, von dem Schlaf schneller ,Genosse, stammt, dann Romanow, Katajew,und Schiskow.
Ich lese sie gerne die Kurzgeschichten, die wirklich nur 4 Seiten lang sind.

Dienstag, 10. März 2009

Darwin für Erwachsene und Kinder

Hans Traxler illustrierte das schmale Büchlein, das einem mit 150 Seiten das Lesen von mehr als 1000 Seiten Darwin ersparen kann. Seine Zeichnungen machen Spaß und machen einem das Lernen leicht. Darwins Theorie von Mutation und Selektion zeigt er mit 3 Giraffen an einem Baum. Zwei haben einen kurzen Hals, während das dritte mit seinem langen Hals die Blätter des Baumes erreicht und munter sich daran labt.

Die Texte aus den Darwin Büchern wählte Volker Mosbrugge aus, der auch die verbindenden Worte verfasste. Der Insel-Verlag brachte das Buch 2008 heraus.

Sonntag, 1. Februar 2009

Veränderung von Mythen

Joachim Fernaus "Disteln für Hagen" war mir immer zu altbacken. Fernau ist mehr oder weniger vergessen.
Jetzt beschäftigt mich, wie Mythen verändert wurden bzw. neu und anders erzählt werden. In München fiel mir auf, dass die Daphne von Lüpertz dem Apoll entgegentritt und ihm den Kopf abschlägt. In der antiken Sage entzieht sie sich durch Verwandlung in einen Busch. Achternbusch lässt seinen Sisyphus sich in eine Frau verlieben, die seine Liebe erwidern wird, während 4 Sisyphus-Kinder sich am Stein abarbeiten. Die Sage über Siegfried ist vom Dichter der Nibelungenliedes kräftig umgearbeitet worden, zeigt Fernaus Buch im Einzelnen und damit ist sein Buch "Disteln für Hagen", das sich gut lesen lässt, für mich interessant. Ein Kölner Faschingslied hat auch etwas von der ursprünglichen Siegfried-Sage bewahrt, das stärkt Fernaus Glaubwürdigkeit:
"Siegfried , sät sie (eine alte Frau, "die kannt in ganz genau") ,wor zu fuul zum Lehre, Ging nor blänke, schmoore, karessere, Bis sie Vater säht: "Dat pass mer nit, Do küss mer vum Gymnasium" un dat in bei 'ne Schmid!"

Donnerstag, 8. Januar 2009

Reden ohne zu lesen

Das Buch"Reden ohne zu lesen" eines englischsprachigen Autors ist jetzt in Deutsch erschienen.

Meine Tochter hat eine Methode erfunden, mir das Lesen des fast 500 seitigen Romans "Das Museum der Unschuld" von Orhan Pamuk zu ersparen.

Ich hatte es mit allen Tricks versucht, ich fing von vorne an, ich las die letzte Seite, ich habe willkürlich Seiten aufgeschlagen und gelesen. Nirgends fand ich etwas über das Museum. Gerade das Museum hatte mich gereizt, das Buch zu kaufen.
Die Tochter las das Buch von Vorne bis Hinten und markierte die rund 20 Stellen, wo Pamuk etwas über das Museum geschrieben hat. Diese Stellen lese ich jetzt und wenn einer auftaucht, der behauptet das Buch gelesen zu haben, verstricke ich ihn ein Gespräch über das Museum der Unschuld: ausgewählte Objekte, Ort des Museums, warum Museum, was hat das Museum für eine Beziehung zur Liebesgeschichte usw.
"Ja so genau habe ich das Buch auch nicht gelesen", höre ich dann.