Sonntag, 18. Mai 2008

Ihr da oben, wir da unten

Das Buch von Bernt Engelmann und Günter Wallraff "Ihr da oben - wir da unten" ist mir kürzlich in die Hände gefallen.



Das Buch "Ganz unten" von Wallraff hat uns in den 70ern stark beschäftigt, da es aufgezeigt hat, wie schwer es türkische Arbeiter in der Arbeitswelt haben.

Derzeit bringt das Fernsehen die 68 Jahre wieder in Erinnerung. In einer Sendung des NWR erzählt Wallraff, wie er im Bild-Verlag recherchierte. So wird er in die Reihe der Revolutionäre gestellt.



Eine Aktion der 68er in Berlin ( wie auch in München) war gewesen, die Auslieferung der Bildzeitung zu verhindern. Die Bildzeitung hatte sich 68 des Themas SDS angenommen und eine Reihe von Karikaturen über das Verhalten der SDS in den Berliner Universitäten gebracht. Viele Linke sahen das Attentat auf Rudi Dutschke als Ergebnis der Hetze in der Bildzeitung, so dass sich die Wut der 68er auf die Bildzeitung und den Springerverlag konzentrierte.



Von wegen Hetze: Das Buch (1973) enthält durchaus populistische Irreführungen z.B: 200 000 Bürger bekämen je 1000 qm Grund , wenn man die 200 Millionen Quadratmeter Grundbesitz des Fürsten aufteilen würde. Natürlich denkt jeder gleich an einen schönen Baugrund von 1000 qm.



Ansonsten könnte man es als Empfehlung an die RAF lesen, die Reichsten der BRD in ihre schwarze Liste aufzunehmen.

Montag, 14. April 2008

Robert Hültner Inspektor Kajetan und die Sache Koslowski

Ich bin im Zweifel: Soll ich das Buch zum Lesepfad Haidhausen dazutun oder zum ersten Bayrischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner oder soll ich einen neuen Pfad aufmachen "Empfehlungen meines Schwiegersohns"?
1. Gründe für Haidhausen:
Hültner beschreibt, wie der Inspektor Kajetan in die Kirchenschule nach Haidhausen gebracht wird und dort verhört, abgeurteilt und inhaftiert und schließlich
gerettet wird.
Vor einiger Zeit nahmen ich und Liesl an einer Stadtführung Haidhausen teil. Ich kaufte mir ein paar Bücher zu Haidhausen bei einem Besuch des Haidhausner Museums, las in Oskar Maria Grafs Büchern nach, wie er, Graf, in der Schule an der Kirchenstraße verhört wurde, und schließlich ging ich die Straßen ab, in denen die Familie Asenkofer um 1890 gewohnt hat oder Karl Asenkofer in die Schule ging.
Schließlich las ich Erinnerungen von Ursula Herking und Gerd Fröbe über die Anfänge des Kabaretts in München.
Zum 125 Geburtstag von Karl Valentin stand nämlich in der SZ, dass sich Valentin bei seinem letzten Auftritt im Janur 1948 im "bunten Würfel" in Haidhausen eine Lungenentzündung zuzog, worauf er kurz danach starb.

2. Kurt Eisner
Koslowski ist der Geburtsname von Kurt Eisner. Die Hintergründe der Ermordung Eisners wurden kaum aufgeklärt. So wundert sich Friedrich Hitzer in seinem gründlich recherchierten Buch über den Eisner Mörder "Anton Graf Arco" : S. 63: "Der Täter (hat) völlig freien Zugang von hinten gehabt, weil eben an diesem Tag- das erste und das letzte Mal - die Beschützer vor dem Mann gingen, den sie zu beschützen hatten." O.M. Graf beschreibt die Ermordung Kurt Eisners ausführlich, ebenso Sauerbruch in seinem Buch "Mein Leben" , in dessen Klinik Graf Arco eingeliefert worden war.

3. Schwiegersohn
Die Empfehlungen meines Schwiegesrsohns sind in der Regel mit Leihgaben verbunden. Geschenkt hat er mir das Buch "Anton Graf Arco", sodasss ich eigentlich ich es ihm verdanke, wenn ich einen Lesepfad Kurt Eisner anlegen könnte.
Aber in letzter Zeit kamen von ihm sehr interessante Beiträge:
1. Für meine Ausstellung "Karikatur in der Wissenschaft" gab er mir 5 Jahrgänge Titanic als Dauerleihgabe.
2. Wir besuchten im Karikaturmuseum O.Gulbranson in Tegernsee eine Ausstellung der NFS (neuen Frankfurter Schule).
3. Er gab mir die Audi-CDs von Hape Kerkelingen über dessen Wallfahrt nach Santiago di Compostella und eine Fahrt nach Norwegen u.a. auf der Hurtigroute.
4. Eine Art Rap mit dem Spruch Wittgensteins "Worüber man nichts sagen kann, darüber soll man schweigen"
5. Romane von Hinterberger und Filme (Trautmann) über einen österreichischen Kommissar, denen wir eine Erweiterung unserer Österreichischen Sprachkenntnisse zu verdanken haben: Unterstand für Asyl, Äußerln für Gassigehen, Burenwurst für Bratwurst usw.
6. Bayrische Fernsehklassiker wie "Münchner Gschichten", Isar2, "Irgendwie und Nirgendwo"

Für Ratschläge wäre ich dankbar. Ich tendier fast zu Empfehlungen meines Schwiegersohns und Sie?

Donnerstag, 3. April 2008

Sanella-Sammelband "Mittel- und Südamerika"

Mein erstes eigenerworbenes Buch war das Sanella Sammelalbum "Mittel- und Südamerika".
Ich war fast 60 Jahre lang eigentlich totunglücklich mit dem Buch:
  • Beim Erwerb der Sammelbilder musste ich viel schwindeln. Sanellamargerine mochte ich nicht essen. Das bereitete mir schwere Gewissensbisse.
  • Ich hatte zwei der mir wichtigsten Bilder nicht auftreiben können, nämlich das Bild Nr 1 mit den Schiffen des Columbus und das Bild mit Magellan, der die Magellanstraße entdeckte.

So lebte ich fast 60 Jahre mit einem Makel, den ich beinahe mit ins Grab genommen hätte. Eines Tages klagte ich einem Antiquar mein Leid.

"Ich kann ihnen helfen. Schreiben Sie mir auf einem Zettel, welche Bildnummern Ihnen fehlen, ich versuche sie Ihnen zu beschaffen."

Er beschaffte sie, allerdings ohne die Nummer Eins. Die Eins hatte ich so schlampig geschrieben, dasss er sie übersehen musste. Also die Eins nachgeschoben.

Jetzt habe ich für wenig Geld nach fast 60 Jahren ein vollständiges Sanella- Sammel-Album.

Freitag, 21. März 2008

Robert Gernhardt Gedichte 1954-1994

Auf der Banderole dieses Buches steht "Von ringelnatzschen Gnaden", also ein Nachfolger von Ringelnatz. Bei der Lektüre von Ringelnatz, Morgenstern und Eugen Roth habe ich mich gefragt: "Gibt es sowas Lustiges heute noch?"

Mit einem Eugen Roth Gedicht trat ich mal in der Jugendgruppe der Marianischen Männerkongregation Altötting auf. Es wurde zum Desaster. Ich fing frohgemut an:
"Ein Mensch, der liebestoll entzückt
an seine Brust ein Mädchen drückt,
fühlt jäh ein Zittern und ein Knarren,
"Ha", denkt er "das sind die Zigarren".
Ich wusste nicht mehr weiter.

"Kruzifix, wie geht es weiter?
Das wird ja heiter.
Mit dem Mädchen war es aus,
sie holte sich den Graus
die Zigarre qualmte fest
das gab ihr den Rest."

Ich bekam Riesenbeifall, mir war schlecht. Ich wurde dann auch nicht ins Jugendkabarett aufgenommen.
Eigentlich wollte ich erzählen, dass Robert Gernhardt 2004 den Ringlnatzpreis verliehen bekam. Deren Preisträger sind nun meine Favoriten, wenn es darum geht, lustige Gedichte zu lesen, nur Grashoff nehme ich noch mit, er wird als Morgenstern Nachfolger bezeichnet.

Montag, 10. März 2008

Soubrette in Karl Valentin Buch

Wir hatten zu Hause nach dem Krieg nicht viele eigene Bücher. Wir gingen alle in die Leihbücherei.
Ein eigenes Buch aber hatte es mir angetan.
Ich war vielleicht 6 Jahre alt, konnte lesen, ich schaute mir die Zeichnungen an. Eine Soubrette gefiel mir ungeheuer. Sie hatte ein mächtiges Dekolletee und einen mächtigen Hintern. Zuerst ließ ich mir erklären, was eine Soubrette ist.
Eine Soubrette singt in einem Varietee in der Großstadt Lieder.
Ich wollte auch einmal in eine Großstadt und mir eine Soubrette ansehen. Als ich dann 1959 nach München kam, gab es keine Soubretten mehr.
So ein Valentin-Buch habe ich seitdem nie mehr angetroffen. Ich rätsle immer bei mir, wer die Soubrette gezeichnet haben könnte. Es war wahrscheinlich nicht die Franziska Bilek, die die berühmte Valentinsilhouette gezeichnet hat.

Montag, 25. Februar 2008

Das Echo vom Königsee

Es geht um das "Große Hermann Gutmann-Buch". Ich finde es im Waschkorb voller Bücher, die unsere Nachbarin gegenüber loswerden will. Der Nachbar ist nebenamtlich in Bremen tätig und so bekomme ich das Buch der Bremer Lokalgröße Hermann Gutmann. Das ist so , wie wenn ich als Münchner das große Buch von Blasius dem Spaziergänger bekäme. Ich blättere den Schinken durch und stosse auf den Titel: "Für den Königsee nicht geeignet." Da steht, dass sich ein Hochseeschiffkapitän aus Bremen als Kapitän eines Touristenelektrobootes auf dem Königsee bewirbt, aber abgelehnt wird, weil er nicht Trompete spielen kann.

Zu dieser Zeit geht der Streik der Elektrobootkapitäne durch die Zeitung.
Sie wollen streiken, weil ihr Arbeitgeber darauf drängt, dass die Kapitäne die Touristen nach dem Echo vom Königsee nicht unziemlich nötigen, dem trompetenblasenden Kapitän ein Trinkgeld zu zahlen.
Dieses Zubrot hat eine lange Tradition und scheint nicht unbeträchtlich den Lohn des Kapitäns aufzubessern.
Ich war als Kind mit 8 Jahren mit meinem Vater 1948 auf dem Königsee gefahren, war unheimlich vom Echo beeindruckt und bewunderte den Kapitän, der das zu Wege brachte. Der Beifall und die Spendierlaune war groß.
1966 beobachtete meine Frau Liesl, dass ein Mann in Zivil nach dem Trompetensolo den Spendierreigen begann und in einem Hut einen Geldschein steckte. Fast alle folgten seinem Beispiel. Liesl war aufgefallen, dass derselbe Mann beim An- und Ablegen des Schiffes half. Sie hält ihn für einen Kapitäskollegen, der in Zivil mit dem Schiff mitfährt.
Von meinen Rentnerkollegen erzählt fast jeder, dass er mehr oder weniger viel spendete und dazu irgendwie aufgefordert wurde. Es hatte sich offenbar eingebürgert, dass der Kapitän selber rumgeht und Geld einsammelt. Der Kollege in Zivil ist längst wegrationalisiert.

Der Streik wurde beigelegt, die Kapitäne versprechen, in Zukunft die Touristen nicht mehr so unverschämt zum Trinkgeld zu zwingen.

So ist mir das große Hermann Gutmann-Buch doch recht lieb, und ich lese noch mehrere Bremer Geschichten.

Montag, 4. Februar 2008

Turmschreiberkalender

Turmschreiberkalender habe ich zum zweiten Mal geschenkt bekommen. Das erste Mal schenkte mir Gudrun die ersten 18 Jahrgänge und jetzt zum zweiten Mal Ulla die letzten 4 Jahrgänge.
Zwei von Ullas Turmschreiberkalendern enthalten Geschichten von Asta Scheib, deren Buch "Sei froh, dass du lebst" im Rahmen der Aktion "Ganz Garching liest ein Buch" gelesen wird. Ich mache in der Stadtbücherei Garching eine Ausstellung über Asta Scheib und es fehlen mir noch Geschichtensammlungen mit Asta Scheibs Geschichten. Jetzt hat mir Ulla gleich zwei davon geschenkt. Josef Oberberger, ein Schüler von Olaf Gulbranson, hat bei einer Geschichte ein dickes Schwein gleich neben dem Titel gemalt. Ich kenne die Zeichnungen von Oberberger aus dem Buch über den Roider Jackl.

Ich stelle den Turmschreiberkalender mit Asta Scheibs Geschichte und Oberbergers dickem Schwein in der Stadtbücherei Garching aus. Link: http://www.garching-liest.de/